Vergiss nie, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt

Wie wir es schaffen, im Internet künstlich einen “Skandal” zu erzeugen, und damit am Aufbau einer handfesten Trollkultur basteln. Mein Kommentar zum sogenannten #fappygate

Wenn sich vor 20 Jahren zwei Menschen im Internet gestritten hätten, hätten andere die Beteiligten zur Mäßigung aufgerufen. Damals gingen die Menschen davon aus, dass die Kommunikation im und durch das Internet niemals die tatsächliche Kommunikation von Angesicht zu Angesicht ersetzen könne. Die gesamte nonverbale Kommunikation z. B. fehlt. Aber auch das geschriebene Wort könnte schnell missverstanden werden, wenn der Kontext nicht ersichtlich ist.

1994 ging ich zum ersten Mal ins Internet, Anfang 1995 gab mir meine Universität meine erste E-Mail-Adresse. Und in einer der ersten Mails, die ich bekam, schickte mir jemand die Netiquette. Das Medium war für uns alle noch neu und aufregend. Das Internet selbst gibt es schon länger, aber das WWW stand erst am Anfang. Und natürlich wollten wir da keine Fehler machen. Weder technische im Umgang mit Browser und E-Mail (damals zählte noch jedes Bit und Byte) noch soziale im Umgang mit Menschen, die am anderen Ende des Bildschirms saßen.

Entsprechend lautete der erste Grundsatz der Netiquette auch:

Vergiss nie, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt
Die elektronische Kommunikation beschränkt sich auf geschriebene Worte, welche leicht missverstanden werden können. Ergo sollte man sich, bevor man etwas mailt oder postet, zuerst fragen, ob man dem Gesprächspartner das, was man geschrieben hat, auch ins Gesicht sagen würde. Wenn nicht, sollte man den Text noch einmal durchdenken und gegebenenfalls umformulieren oder neu schreiben.
Ein weiterer Grund, Geschriebenes, das man durchs Internet zu senden plant, gut zu durchdenken, ist, dass es eventuell irgendwo gespeichert wird.“

Etwas anderes, das es gefälligst zu vermeiden galt, waren sogenannte „flame wars“.

Hilf’, ‚flame wars‘ unter Kontrolle zu halten
‚Flaming‘ nennt man das, was Leute tun, wenn sie eine Meinung, von der sie absolut überzeugt sind, zum Ausdruck bringen, ohne dabei ihre Gefühle zu verbergen. ‚Flaming‘ ist eine alte Tradition und muss nicht gegen die Netiquette verstossen.
Anders sieht es mit sogenannten ‚flame wars‘. Dabei handelt es sich um einen schriftlichen Schlagabtausch zwischen zwei oder mehr Personen unter Verwendung meist sehr offensiver Schreibweise. Solche Kleinkriege können die Atmosphäre einer Diskussionsgruppe schnell verderben und behandeln diejenigen unfair, die daran unbeteiligt sind, aber dadurch belästigt werden.“

Ich kann mich nicht mehr an konkrete flame wars erinnern, sondern habe sie wenn nur am Rande mitbekommen. Ich kann mich aber daran erinnern, dass sie äußerst verpönt waren und Personen, die sich an solchen flame wars beteiligt haben, gerne auch mal aus Mailinglisten ausgeschlossen wurden. Das Internet sollte schließlich zur friedlichen Kommunikation und zum konstruktiven Austausch genutzt werden. Unsere Zeit und unser Geld waren uns zu kostbar für unsinnige Streitereien.

Wenn sich also damals zwei Menschen im Internet gestritten hätten, wir hätten eher versucht, den Streit zu schlichten bzw. zu beenden.

Heute, im Jahr 2014, ist das anders. Heute schlichten wir keinen Streit mehr, sondern gießen noch Öl ins Feuer, holen uns Popcorn dazu und genießen das, was kommt. Und wenn das nicht reicht, dann holen wir uns noch andere dazu, die ebenfalls Öl ins Feuer gießen.

Das jüngste Beispiel

Jemand schreibt einen Artikel über junge Menschen bei Facebook, Twitter und Youtube und darüber, wie diese eine eigene Subkultur schaffen, die von älteren Menschen und den etablierten Medien bislang weitestgehend ignoriert wird.
Jemand anders, auf Twitter bislang als @FrDingens unterwegs, meinte, in diesem Artikel Aussagen von ihren eigenen Vorträgen wiederzuerkennen. Auf Twitter kommt es dann wohl zu einer Auseinandersetzung zwischen beiden, die ich nicht mehr rekonstruieren kann, da @FrDingens aufgrund dessen, was danach folgte, ihren Account und damit ihre Tweets gelöscht hat.

Früher hätten wir, die Zaungäste, wohl beide ermahnt, ihre Auseinandersetzung doch bitte sachlich zu führen. Oder noch besser: dies im Dialog per E-Mail zu klären, als unsere Twitter-Timeline damit zu füllen.

Heute läuft das anders ab. Wie, das hat die dritte Hauptfigur in diesem Drama selbst recht gut dokumentiert: Durch die Auseinandersetzung auf Twitter angelockt, wird @sascha_p (wie wohl andere auch) neugierig und beteiligt sich an der Interpretation des Gesagten und Geschriebenen. Dabei scheint sich @FrDingens in seinen Augen derart im Ton vergriffen zu haben (wie gesagt, im Nachhinein kann ich die „Schimpftirade“ selbst nicht rekonstruieren), dass er sich genötigt fühlt, einzugreifen:

„…wer [@FrDingens] so auf die Kacke haut, der darf auch gerne mal ein wenig gefoppt werden, oder?“

(noch weiter folgende Zitate von ihm und @FrDingens stammen aus seiner Dokumentation)

Machen wir einen kleinen Exkurs: Was heißt „foppen“?
Der Duden sagt dazu:

„jemandem (meist im Scherz) etwas Unwahres sagen [und sich darüber freuen, wenn er es glaubt]“

[Quelle: duden.de, abgerufen am 07.08.2014]

Ich verstehe das so: Wenn ich der Meinung bin, jemand benimmt sich daneben, dann habe ich das Recht, diese Person zu veräppeln, mich über diese Person lustig zu machen, sie zu piesacken und mir einen Spaß daraus zu machen.

Ehrlich? „Dürfen“ wir das?
Nun ja, es gibt wohl kein Gesetz, dass das „foppen“, das Ärgern anderer Menschen grundsätzlich verbietet.
Nur:

„Vergiss nie, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt“

Wie weit darf das „foppen“ denn gehen? Warum habe ich überhaupt das Bedürfnis, jemanden anderen zu foppen? So, wie @sascha_p es beschreibt, habe ich das Gefühl, @FrDingens nervt ihn und er will ihr eine Lektion erteilen. Etwas, das heutzutage viele zu motivieren scheint. Anderen eine Lektion zu erteilen. Sie zu belehren. Sie vorzuführen, um zu zeigen, wie schlecht sie sind.

Mit welchem Ziel eigentlich? Wenn mich die Vorwürfe von @FrDingens, da hätte sich jemand bei ihren Ideen bedient, gestört hätten, ich hätte sie gebeten, dies doch mal ausführlich in einem Artikel zu belegen, damit darüber sachlich-fachlich diskutiert werden kann. Ich weiß, das ist nicht sexy. Aber möglicherweise entsteht eine konstruktive Diskussion. Auf Twitter so etwas auszufechten ist meiner Meinung nach sinnlos, da hierfür zu wenig Mitteilungsraum zur Verfügung steht.
Oder waar es gar nicht der Inhalt der Vorwürfe, sondern nur die Art des Vorwurfs? Hätte da nicht ein Hinweis ausgereicht, sich im Ton zu mäßigen und die Kritik doch bitte sachlich vorzubringen?

Stattdessen soll jetzt eine Person gefoppt werden, die gerade eine „Schimpftirade“ loslässt. Welche Reaktion hat @sascha_p da erwartet? Was würde die Fopperei einer dritten, bisher unbeteiligten Person bewirken? Dass sich die Person, der die Fopperei gilt, beruhigt?
Will ich der anderen Seite, der diese „Schimpftirade“ galt, zur Hilfe kommen, gibt es doch andere Wege.

„Vergiss nie, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt“

Stattdessen nimmt @sascha_p das Verhalten von @FrDingens zum Anlass und zur Rechtfertigung für seine Fopperei. Mit dem Ergebnis, dass @FrDingens ihn beleidigt:

„@FrDingens: .@sascha_p fappst du dir eigentlich die ganze Zeit einen drauf mich vergeblich zu dissen oder bist du einfach so ein nervender Zeitgenosse?“

Ich musste erst einmal das Wort „fappen“ nachschlagen, das ich bis dato nicht kannte. Also:

„fappen beschreibt das Geräusch beim Onanieren, wenn die Vorhaut schnell hin- und hergeschoben wird, was sich in etwa anhört wie ‚fap fap fap‘…
Eingedeutscht vom englischen Wort ‚fapping‘.“

[Quelle: mundmische.de, abgerufen am 07.08.2014]

Ich versuche das wieder zu übersetzen: Holst du dir die ganze Zeit einen runter, während du vergeblich versuchst, mich fertig zu machen, oder bist du einfach so ein nervender Zeitgenosse?

Ein anderes Wort, das in der gleichen Antwort steht, aber von den meisten kommentarlos übergangen wird, ist das Wort „dissen“.

„Das jugendsprachliche Verb dissen (von englisch disrespect, discriminate oder discredit abgeleitetes Verb to diss;[1] Abkürzung für diskreditieren oder diskriminieren) bedeutet jemanden schlechtmachen, jemanden schräg anmachen, respektlos behandeln oder jemanden schmähen.“

[Quelle: Wikipedia, abgerufen am 07.08.2014]

Wenn @FrDingens von „dissen“ spricht, sagt dies einiges darüber aus, wie sie die „harmlose Fopperei“ aufgenommen hat. Nämlich als Versuch, sie herabzuwürdigen. War ihm das nicht bewusst? Hätte er aufgrund ihrer Reaktionen nicht schon früher sehen müssen, dass seine Fopperei nur für ihn (und die Gegner von @FrDingens) witzig ist und er damit lediglich Öl ins Feuer gießt? Oder war genau das seine Absicht?

In der Nachbetrachtung wundere ich mich, dass ihm das nicht selbst klar wird, stellt er doch selbst fest, dass @FrDingens vor einiger Zeit wohl von einem Internet-Stalker belästigt und traumatisiert wurde. Wenn er das nachträglich feststellt, sollte er dann auch nicht in der Lage sein, sein Verhalten und dessen Wirkung anders zu bewerten?

“Was aber gar nicht geht ist die Art und Weise wie du hier ein Fass gegenueber Andreas Rickmann aufmachst, behauptest er haette dreist kopiert und ihn an einen oeffentlichen Pranger nagelst.”

Offensichtlich hält er das Verhalten von @FrDingens für so gravierend, dass frühere Traumata keine Berücksichtigung wert sind. Sie hat ja schließlich angefangen, oder? (Ich sag dazu nur: Verantwortung!)

Warum ist das Wort „fappen“ in diesem Zusammenhang überhaupt so problematisch?
Weil @FrDingens eine Frau und Feministin ist.
Denn seien wir mal ehrlich: wäre die Antwort von einem Mann erfolgt, es hätte keinen Skandal gegeben. Wenn Männer unter sich sind, dann reden manche halt manchmal so (unter der inzwischen geschlossenen Facebook-Seite von @FrDingens hatte jemand kommentiert, der @sascha_p sei so und das müsse man wissen, wenn man sich auf eine Diskussion mit ihm einließe; warum das dann nicht auch umgekehrt gelten soll, erschließt sich mir nicht). Und in der gleichen Art fällt dann auch die Reaktion von @sascha_p aus:

„ich gebe es zu.Ich habs getan @meisterperson aber nur damit @FrDingens das auch mal erlebt hat ;) Und jetzt weiter Mimimi bitte…“

Wenn ich seine Reaktion lese, kann ich hier keine Entrüstung oder Beleidigung, sondern eher Amüsement erkennen. Auf ihre Beleidigung hin macht er einen weiteren Witz und gießt damit weiter Öl ins Feuer.

Noch mal ein kleiner Exkurs: Wie nennt man im Internet Personen, die gerne andere provozieren?

„Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche die Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten.“

[Quelle: Wikipedia, abgerufen am 07.08.2014]

Moment mal, hat @FrDingens nicht ebenso Öl ins Feuer gegossen, als sie sich auf @sascha_p eingelassen hat?

1. Im Umgang mit Trollen gibt es die Empfehlung: Don’t feed the trolls. Hätte @FrDingens also nicht auf die Provokationen von @sascha_p reagiert, es wäre womöglich nicht zu dieser Eskalation gekommen. Trägt sie also eine Mitschuld an der Fopperei?
Auf der anderen Seite, hätte sich @sascha_p erst gar nicht eingemischt, hätte @FrDingens ihn nicht beleidigt. @sascha_p wurde von niemanden gezwungen, @FrDingens zu foppen. Seine Fopperei war nicht das Ergebnis ihrer Antworten an ihn, sondern war von Anfang an als Fopperei beabsichtigt. Er hat sie angesprochen wie sie den Autor des oben genannten Artikels angesprochen hat. Insofern sollten wir hier nicht Ursache und Wirkung verwechseln. @FrDingens hat nicht @sascha_p provoziert (das, worüber er sich aufgeregt hat, galt nicht ihm), sondern @sascha_p ist mit dem Vorsatz der Provokation in die Diskussion eingestiegen. Muss sie sich das gefallen lassen?

2. Was die Kritiker von @FrDingens ebenfalls übersehen, ist die Frage, ob beide hier auf Augenhöhe kommunizieren. Haben sich da nur ein Mann und eine Frau „gestritten“? Wenn sie allein in einem Zimmer gewesen wären, würde ich sagen, ja. Aber im Internet sind wir nicht allein und gerade auf Twitter haben wir alle eine Gefolgschaft. Diese Gefolgschaft bedeutet Reichweite und Einfluss, damit aber auch Verantwortung. Gerade weil ich mit meinem Verhalten ein Vorbild für andere bin und mein Verhalten andere motivieren kann, ebenfalls tätig zu werden. Die Anzahl der Follower ist für mich schon ein Indiz dafür, wie schnell Mehrheiten und damit Machtverhältnisse geschaffen werden können. Und je mehr Follower, desto mehr Verantwortung besitze ich auch. Ihr kennt doch alle den Spruch von Spider-Man: „with great power there must also come great responsibility“.

„Hilf’, ‚flame wars‘ unter Kontrolle zu halten“

Wie gesagt, wenn wir uns damals in einem Streit eingemischt hätten, dann mit dem Vorsatz, den Streit zu schlichten bzw. zu beenden. Nicht, um noch mal Öl ins Feuer zu gießen.

Der Sexismus-Vorwurf

Kommen wir nun zum Vorwurf des Sexismus. Dabei stehen, soweit ich sehen kann, zwei Tweets im Mittelpunkt:
Für @FrDingens ist die Antwort von @sascha_p sexistisch, in der er „scherzhaft“ zugibt, dass er mastubiert, nur damit sie das auch mal erleben könne.

Und @sascha_p ist der Ansicht, dass sie auf diese Weise nur einen Sexismus-Skandal herbeireden würde, da sie ja schließlich mit ihrem „fapp“-Tweet den Anfang gemacht hätte.

Was ist eigentlich Sexismus?
Die Frage klingt relativ einfach, ist aber nicht so einfach zu beantworten. Denn je nach Gesichtspunkt oder Fachbereich wird Sexismus unterschiedlich definiert.

Grundsätzlich dürfte unstrittig sein, dass es sich bei Sexismus um Diskriminierung handelt, die sich auf das Geschlecht der Person bezieht. Im soziologisch geprägten Diskurs wird im Sexismus, wenn ich das richtig verstanden habe, auch immer ein Machtgefälle dahingehend gesehen, dass Männer auf wirtschaftlicher, politischer und sozialer Ebene privilegiert sind gegenüber Frauen, so dass sich im Sexismus ein Unterdrückungsverhältnis ausdrückt. Da die Macht auf Seiten der Männer ist, können Frauen daher Männer vielleicht beleidigen, aber nicht sexistisch diskriminieren. Würde zwischen Männern und Frauen kein Machtgefälle existieren, wäre das was anderes. (Siehe auch Feminismus101: Was ist Sexismus? )

@sascha_p könnte aus meiner Sicht berechtigterweise beleidigt sein aufgrund des „fapp“-Tweets. Er scheint aber, wie oben bereits geschildert, eher amüsiert zu sein und macht einen weiteren Witz. Erst der indirekte Sexismus-Vorwurf empört ihn, der seiner „witzigen“ Antwort auf den „fapp“-Tweet galt.

Dabei enthält seine Antwort genau die Zutaten, die Sexismus ausmachen: den Willen, @FrDingens herabzusetzen mit Hilfe einer sexuellen Anspielung. So zu tun, als ob @FrDingens sein Verhalten nötig hätte und er es ihr besorgen könne. Das ist eindeutig sexistisch.
Und wenn sich @sascha_p in der Vergangenheit tatsächlich auch mit Sexismus auseinandergesetzt hat, dann sollte er das auch wissen. Dass @FrDingens seiner Meinung nach jemand anderen an den öffentlichen Pranger gestellt hat, kann dafür keine Rechtfertigung sein. Um es noch mal deutlicher zu sagen: Ein vermeintliches oder tatsächliches Fehlverhalten einer Frau rechtfertig keinen sexuellen Übergriff auf die Frau.

War die Äußerung von @FrDingens nun auch sexistisch oder nicht? Nun, das hängt wohl davon ab, ob man überzeugt ist, ob Frauen Männer sexistisch diskriminieren können oder nicht. Die Äußerung war zumindestens beleidigend, und auch solche Äußerungen haben in einer vernünftigen Diskussion nichts zu suchen. Trotz der Provokationen.
Aber unabhängig davon, wie die Antwort darauf ausfällt, das Verhalten von @sascha_p ist und bleibt trotzdem sexistisch. Denn wenn die Äußerung von @FrDingens sexistisch war, wird die Aussage von @sascha_p dadurch ja nicht entwertet.

Warum steht hier eigentlich nur @sascha_p so prominent am Pranger?

Weil er derjenige ist, der das Öl ins Feuer gegossen und anschließend @FrDingens an den Pranger gestellt hat und damit ein Paradebeispiel dafür ist, wie man einen Streit zwischen zwei Personen so eskalieren lässt, dass am Ende die Frau ihren Twitter-Account, ihre Facebook-Seite und ihren Internetauftritt löscht. Wäre es denn zu einem ähnlichen “Skandal” gekommen wäre, hätte @sascha_p nicht eingegriffen? Ich denke, nein.

@sascha_p hat es geschafft, @FrDingens so lange zu provozieren, bis sie ihn beleidigt hat. Anschließend sieht er sich als Opfer einer Sexismus-Anschuldigung, statt die Verantwortung für seinen nicht unerheblichen Anteil am Ganzen zu übernehmen. Ihr Verhalten in der Kommunikation mit @sascha_p wird dramatisiert, sein Verhalten bagatellisiert. Dabei @FrDingens mangelnde Kritikfähigkeit zu unterstellen würde Fopperei und Trollerei als sachliche Kritik legitimieren.

Für Menschen, die FeministInnen und Feminismus feindlich gegenüber stehen, war das natürlich ein gefundenes Fressen. Ein harmloser Mann, der nur ein paar Späßchen gemacht hat, wird nun Opfer einer wütenden Feministin. Wieder ein Beweis für die Verbissenheit und Sturheit von ideologisch verblendeten Frauen, die Macht und Kontrolle über Männer erlangen wollen. Ich weiß nicht, ob @sascha_p bewusst ist, dass er da ein Spiel gespielt hat, dass FeministInnen von Frauenhasser schon zur Genüge kennen:
Wenn ich zeigen will, dass ein Hund bissig und gefährlich ist, muss ich nur lang genug auf den Hund einprügeln. Irgendwann beißt er zurück, und voila: ich habe den Beweis dafür, dass der Hund gefährlich ist.

Die Tweets der beiden haben natürlich Menschen aus allen Richtungen hervorgelockt, die ihrerseits wieder Öl ins Feuer gegossen haben. Aus vermeintlicher Solidarität oder nur aus reinem Egoismus haben viele (nicht alle) dabei den Bogen überspannt, sich einer Sprache bedient, die sie im Alltag eher nicht wählen würden, pauschalisiert, diskriminiert, etc. Auch das haben weder @FrDingens noch @sascha_p verdient.

„Vergiss nie, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt“

Dieser Satz, diese Regel funktioniert leider nur, wenn wir andere Menschen und Meinungen auch respektieren und respektvoll miteinander umgehen. @FrDingens ist mit der Art ihrer Kritik an dem Artikel über die Jugendkultur im Internet wohl in diesem Punkt auch nicht sehr positiv aufgefallen. Hat sie das vorsätzlich so gemacht? Ich weiß es nicht. @sascha_p dagegen dokumentiert seinen Vorsatz sogar, von Anfang respektlos sein zu wollen.
Leute, ist euch egal, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt?
Seid ihr, sind wir, ist das Internet nur noch ein einziger Witz?

„Hilf’, ‚flame wars‘ unter Kontrolle zu halten“

Ihr macht euch lustig über solche Auswüchse? Was tut ihr, um solche Konflikte unter Kontrolle zu halten, sie zu begrenzen oder sie sogar zu beenden? Erwachsene Menschen unterscheiden sich von Kindern dahingehend, dass sie sich ab und an auch ihrer Verantwortung bewusst sind und entsprechend handeln. Das Internet ist kein Vakuum und wir sind nicht alleine hier. Trolle sollten die Ausnahme, nicht die Regel sein. Hört auf, Öl ins Feuer zu gießen, und vergesst nie, dass auf der anderen Seite immer auch ein Mensch sitzt.

Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, damals wäre alles viel besser gewesen. Die Netiquette ist entstanden, weil es auch damals schon Leute gab, die unangenehm aufgefallen sind. Das ist wohl leider normal. Ich hatte aber damals den Eindruck, weil das Internet damals für uns alle Neuland war, waren wir vorsichtiger und höflicher im Umgang miteinander. Und wir haben uns eher entschuldigt. Fehlermachen war da ganz natürlich, wenn auch vermeidbar.
Heute ist eine unüberschaubare Masse unterwegs und wir scheinen uns Gedanken darüber zu machen, wie wir in dieser anonymen Masse auffallen können. Und sei es, dass wir anderen mal zeigen müssen, wo es hier lang geht. Das mag dem eigenen Ego zwar schmeicheln, bringt uns menschlich aber nicht weiter.

Ich möchte mit einem Zitat aus dem Artikel schließen, der Ausgangspunkt für das ganze Drama war, der sich zwar auf junge Menschen bezieht, der aber alle Internet-User betreffen sollte:

„In der Stellenausschreibung von Buzzfeed Deutschland findet sich bei den gewünschten Eigenschaften ein interessanter Punkt, den Bewerber mitbringen sollten: ‚Emotionale Intelligenz und die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen.‘

Wer sich weigert, die Bedürfnisse und Lebensräume von jungen Leuten in der digitalen Welt anzuerkennen und sich nicht mit nicht ihnen auseinandersetzt, sie ignoriert, weil es am bequemsten ist, der wird in Zukunft ein Problem bekommen.“

[Quelle: andreasrickmann.de: Wie wir ignorieren, was junge Menschen bei Facebook, Twitter und Youtube interessiert, abgerufen am 07.08.2014]

Update am 12.08.2014: Ich habe die Kommentarfunktion hier beendet und bitte euch um Verständnis hierfür. Danke!

Veröffentlicht von Gedankenreiter

Hi, ich bin Daniel. Hier findest Du meine persönlichen Gedanken und Notizen. Kommentare sind willkommen, werden aber moderiert. Da ich berufstätig bin, kann es etwas dauern, bis Dein Kommentar hier erscheint. Beim Kommentieren bitte ich, die Kommentarregeln zu beachten. Danke! ^^

37 Kommentare

  1. Eine gute und ausführliche Analyse. Und das (keineswegs einseitige) Hochschaukeln ist heute auch leider ein vorherrschende Muster. Daß die wechselseitige Provokation dazu führt, daß mindestens einem der Beteiligten der Kragen platzt, ist dabei fast zwangsläufig.
    Und wenn sich beide Seiten mit geschlechtsbezogenen Äußerungen gegenseitig ‘runterzuputzen versuchen, kann man da durchaus Sexismus feststellen.

    Was dieser Artikel aber ausblendet, ist ein anderer Aspekt: Aufrichtigkeit oder deren Abwesenheit.

    Daß sich zwei in der Öffentlichkeit danebenbenehmen, ist schade. Daß jemand das dann nacher zu verdrehen versucht, um in der Öffentlichkeit besser dazustehen und den anderen weiter niederzumachen, ist ein ganz anderes Kaliber. Quasi ein Ebenenwechsel der Auseinandersetzung unter Einbeziehung des Publikums.

    Denn wenn man die Unterhaltung im Original gesehen hat (manche haben die auch archiviert oder Screenshots), kann man nachvollziehen, daß keiner der Beteiligten an der Eskalation unschuldig war. Aber als die eine Seite dann eine Empörungswelle veranstaltete, hat sie auch schnell ihre Beiträge “editiert” und blockiert. Und das ist m.E. der eigentliche Grund dafür, daß ein banaler Schlagabtausch größere Kreise gezogen hat: die unehrliche Methode, Empörungspublikum zu aktivieren unter Ausblendung der Tatsachen.

    Also: die Geschichte hat eine weitere Ebene. Auch diese kann man natürlich auf verschiedene Weisen sehen; aber man sollte sie nicht vernachlässigen, wenn man den Vorfall behandelt.

    • Danke für Deinen Kommentar. Da ich weder der einen noch dem anderen folge, sind die Wellen der Auseinandersetzung erst ein, zwei Tage später bei mir angekommen. Aber allein das zu sehen war nicht sehr schön.
      Du hast recht, das Taktieren bei solchen Auseinandersetzungen deutet auf böswillige Absichten hin. Allerdings denke ich nicht, dass da tatsächlich immer nur “geschlossene” Lager am Werk sind, sondern sich auf beiden Seiten Leute befinden, die bewusst Konflikte schüren wollen.
      In meinem Artikel ging es mir allerdings weniger um den Mob, der sich hinterher gebildet hat, sondern um das Entstehen/Verschärfen eines Konflikts und wie “einfach” es eigentlich gewesen wäre, es nicht soweit kommen zu lassen, wenn wir uns nur an frühere Grundsätze gehalten hätten.

  2. Da sind einige Punkte zu kritisieren:

    a) natürlich war damals nicht alles besser. Alleine schon die Tatsache dass eine Netiquette verfasst werden musste belegt ja, dass man sich auch damals schon daneben benommen hat. Ich denke da hat sich nichts verändert (ist aber auch nicht relevant für die Diskussion des Gates, oder?)

    b) ich denke die Definition von Sexismus “Man macht sexuelle Anspieleung gegenüber Frau” ist mehrfach falsch. Sexismus ist die Diskriminierung aufgrund eines Geschlechts.

    Der konkrete Fall sieht mir eher nach einem persönlichen Streit aus, nach mangelndem Anstand und durchaus auch nach einem fraglichen Frauen- (und Männer)bild bei den beteiligten. Es wäre IMHO aber falsch daraus einen vorranigen Fall von Sexismus oder Flamewars zu machen.

    • Danke für Deine Anmerkungen.
      zu a) Ich denke, was sich verändert hat, ist, dass uns früher bewusst war, welches destruktive Potential in der technischen Kommunikation liegt, und dass uns das häufig unangenehm war. Heute scheint es den Leuten egal zu sein: “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!”, ohne an Konsequenzen zu denken.
      zu b) Ja, leider finde ich es immer schwieriger, manche Vorkommnisse auf Anhieb eindeutig zuzuordnen. Ich versuche es mal am Beispiel von Rassismus zu erklären:
      Rassismus ist falsch, darüber sind sich eigentlich alle einig. Aber manche erzählen mir, dass bei Rassismus immer auch der Rassengedanke dabei sein muss. Diskriminierung aufgrund der Rassenzugehörigkeit. Wenn Leute also sagen, “das ist typisch für Leute dieser Rasse” ist das eindeutig rassistisch. Jetzt sind die Leute aber auf den Trichter gekommen zu sagen “das ist typisch für Leute dieser Ethnie, Kultur, Religion, etc.”. Sie sagen nicht mehr “Rasse”, also sei ihre Aussage auch nicht mehr rassistisch. Und meinen doch das Gleiche.
      Für mich liegt schon Sexismus vor, aber manche Reaktionen darauf waren mehr als überzogen und unangemessen. Insofern war es nicht mein Anliegen, Sexismus hervorzuheben sondern eher darauf hinzuweisen, dass wir in solchen Fällen angemessen reagieren sollten, damit es erst gar nicht zu so etwas kommt.

  3. Pingback: Markierungen 08/09/2014 | Snippets

  4. Danke. Du hast in allen Punkten recht!

    Ich verweise in dem Zusammenhang mal auf Marco Heracks und meinen Vortrag zum Thema Hype – zu finden auf Youtube.

    Denn twitter hat ein Problem: niemand will das “unaufgeregte” – das Wort gilt dort als Schimpfwort. Und es will auch niemand im Flamen gestoppt werden. Wenn zB ich am Anfang, als Frau Dingens loslegte mit Schimpftiraden über ein angebliches Plagiat – eine schwere und noch dazu falsche Anschuldigung – wäre das feministische “Tone-Argument”-Argument zur Stelle, demzufolge man Feministinnen nicht für ihren Ton ermahnen soll – denn sie haben ja immer einen berechtigten Grund für Wut. Ein Freifahrtsschein für Bashing.

    Wer sich einmischt, wer was sagt und wer Respekt von allen Seiten einfordert ist immer – wirklich immer – der Arsch. Unsolidarisch und besserwisserisch, selbstdarstellerisch – you name it.

    So meine Erfahrung und das auch der Grund, warum ich nichts mehr sage. Das auch der Grund, warum ich zwei jahre große Distanz zu twitter gehalten habe. Auf App.net übrigens ist es wirklich anders. Da gelten die alten Netiquette-Regeln und da gibt es eigentlich nie solche Eskalationen im Hype. Und was sagen deshalb twitter-Hardcore-Userinnen darüber? “Langweilig” und “gähn”…

    Man will den Hype – weil man ihn auch für sich nutzen kann. Man will diese Dynamik, man braucht twitter als Reflexmedium, um möglichst viel schnelle Aufmerksamkeit zu generieren – man will es sich auch gern hin und wieder dreckig geben in Flame Wars, weil man sich dann heroisch fühlen kann und Vorträge mit gesammelten Beispielen halten kann, was man alles auszuhalten hat.

    Für mich als Feministin ist all das schon lange die Kehrseite der schnellen großen Aufmerksamkeit, des Hype – es kommt halt etwas zurück. Ein Phänomen, dass viele öffentliche Personen immer schon kennen, die provozieren und aufregen, alle, die schonmal BILD- oder anderen Boulevard-Fame hatten, wissen: man fährt damit ganz nach oben und dann geht es damit auch wieder bergab. Twitter ist so gesehen der neue Internetboulevard, ein reines Reflexmedium und klar: es gibt “günstig” schnellen Flame! Das reizt! Aber man muss halt einkalkulieren, was der Preis ist.

    Damit will ich keinesfalls Victim Blaming betreiben! Es ist nur IMHO keine Sachen, die sich um Sexismus alleine dreht. Es geht um viel grundlegendere Mechanismen, die Männer wie Frauen gleichermaßen betreffen – siehe Boris Becker. Ich mag es nicht so gern, wenn Feminismus in Geiselhaft für Phänomene genommen wird, die andere Antworten verlangen. Dein Ansatz ist völlig richtig: er verweist auf die Netiquette und damit auf einen Appel zu Respekt, Vernunft und Verantwortung – unabhängig vom Geschlecht. Ich fürchte nur, dass twitter längst so weit ist, dass solche Appelle genau wie bei BILD und im Boulevard verhallen.

    Schöne Grüße
    Kadda

  5. Kleine Anmerkung:

    “So zu tun, als ob @FrDingens sein Verhalten nötig hätte und er es ihr besorgen könne.”

    als Erläuterung für den Tweet:

    „ich gebe es zu.Ich habs getan @meisterperson aber nur damit @FrDingens das auch mal erlebt hat ;) Und jetzt weiter Mimimi bitte…“

    Wo bitte steht der zweite Halbsatz? Es sieht hier so aus als ob Sie Herrn Pallenberg etwas (ein mMn einen deutlich schwereres Sexismus-Vergehen) in den Mund legen das er weder geschrieben noch gemeint hat (auf Basis Ihrer Interpretation).
    Durch diesen Halbsatz wird die darauf folgende Feststellung Ihrerseits vom unaufmerksamen Leser leichter reflektionslos akzeptiert, bzw. vom aufmerksamen Leser als platziert aufgenommen. Ich gehe jedoch zuallererst davon aus, dass dies nur ein kleiner Ausrutscher in einem ansonsten gut geschriebenen Text war, dem ich zwar nicht voll und ganz zustimme, dessen Interpretation ich jedoch verstehen kann & respektiere. Falls das eine absichtliche Interpretation war oder eine Quellenangabe fehlen sollte bitte ich doch diese nachzureichen.

    • Ich vermute mal, mit dem zweiten Halbsatz meinen Sie “…und er es ihr besorgen könne”.
      Damit beziehe ich mich auf den ersten Teil des Tweets: “ich gebe es zu.Ich habs getan…”
      Sein “Ich habs getan” habe ich als “ich habs ihr besorgt” interpretiert. Ich habe nur die Reihenfolge geändert.

      Das Problem mit Interpretationen ist ja, dass wir als Außenstehende weder wissen können, wie @sascha_p seine Aussage gemeint hat, noch wie @FrDingens seine Aussage verstanden hat. Dazu kommt, dass gerade so “schlüpfrige” Scherze viel Interpretationsspielraum zulassen, von ziemlich harmlos bis ziemlich sexistisch. Und nach all den Beispielen, die die #aufschrei-Aktion hervorgebracht hat, bin ich bei solchen “Scherzen” dann doch inzwischen etwas humorlos geworden.

      • Genau das ist der Punkt wo der Schlagabtausch gekippt ist. Das “ihr besorgen” kann man nur als böswillige Unterstellung werten. In keinem wort wurde das erwähnt sondern nur ihre frage mit dem “flappen” mit ja beantwortet. Also am anderen ende der Leitung sich einen runterzuholen ist wohl kein persönlicher sexueller übergriff. Nicht mal wenns real gewesen wäre.

  6. 2 kleine Anmerkungen: Die komplette Vorgeschichte der digitalen Kreuzigung des Kollegen Rickmann durch Frau Dingens faellt komplett unter den Tisch. Warum?
    Ich habe die Diskussion nicht auf die sexuelle Ebene gebracht und verweise abermals darauf, dass dies eine direkte Antwort auf ihren Tweet war: Ja, ich fappe auf die Disserei und damit hast du das dann auch einmal erlebt.

    Dass es sich hierbei um eine Verballhornung der werten Dame handelt, duerfte jedem klar sein, sorry.

    “Dabei enthält seine Antwort genau die Zutaten, die Sexismus ausmachen: den Willen, @FrDingens herabzusetzen mit Hilfe einer sexuellen Anspielung. So zu tun, als ob @FrDingens sein Verhalten nötig hätte und er es ihr besorgen könne. Das ist eindeutig sexistisch.”

    Wieso wird ihr nicht genau dieser Wille unterstelllt, sondern mir? Das mag mir mal jemand ganz in Ruhe erklaeren.

    Die Reichweiten Argumentation ist imho ein verdammt schwaches Argument, schaut man sich an was in den ersten Tagen durch die selbsternannten Sittenwaechter auf mich eingeprasselt ist. Frau Dingens nutzt u.a. den Stern fuer ihr krudes Weltbild und wenn ich mir den aktuellen Reach des Magazins anschaue, dann schlaegt das Pendel ganz schwer in eine andere Richtung

    • „2 kleine Anmerkungen: Die komplette Vorgeschichte der digitalen Kreuzigung des Kollegen Rickmann durch Frau Dingens faellt komplett unter den Tisch. Warum?“

      Wenn sich jemand daneben benimmt, ist das dann ein Grund, eine Rechtfertigung dafür, sich dann auch daneben zu benehmen?
      Dieses „sie hat aber angefangen“ ist mir hier zu simpel.
      Du und ich sind beide für unser eigenes Verhalten selbst verantwortlich. Natürlich reagieren wir auf Impulse von außen. Aber wie wir reagieren, das allein liegt in unserer eigenen Verantwortung.
      Du wolltest Deinem Kollegen zu Hilfe eilen? Finde ich gut.
      Wie hast Du das getan? Ich finde, nicht gut.
      Egal, was @FrDingens getan hat, Du warst ja nicht gezwungen, Dich einzumischen. Insofern trägt @FrDingens dafür nicht die Schuld. Noch weniger warst Du dazu gezwungen, sie zu foppen.

      „Ich habe die Diskussion nicht auf die sexuelle Ebene gebracht und verweise abermals darauf, dass dies eine direkte Antwort auf ihren Tweet war: Ja, ich fappe auf die Disserei und damit hast du das dann auch einmal erlebt.“

      Ja, das stimmt. Du hast die sexuelle Ebene nicht eingebracht. Aber Du hast auf dieser Ebene geantwortet. Warum? Auge um Auge, Zahn um Zahn? Wobei Dein „damit hast du das dann auch einmal erlebt“ in meinen Augen noch mal eine Steigerung ist und bei mir einen ziemlich bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

      „Dass es sich hierbei um eine Verballhornung der werten Dame handelt, duerfte jedem klar sein, sorry.“

      Hm… laut Wikipedia (sorry, dass ich diese Begriffe immer wieder mal nachschlagen muss) bedeutet Verballhornung „den Versuch, einen Text oder Begriff so wiederzugeben, dass das Resultat einen anderen Sinn ergibt“. Z.B. für eine Parodie. Hast Du mit Deiner Antwort @FrDingens parodieren wollen?
      Ich hatte eher den Eindruck, Du wolltest einen Witz machen und damit das tun, was @FrDingens getan hat: sie zu beleidigen. Also Gleiches mit Gleichem vergelten. Ein Witz ist halt nicht immer nur ein Witz und einfach nur lustig. Das dürfte nach der Reaktion von @FrDingens doch wohl jedem klar gewesen sein.

      „Wieso wird ihr nicht genau dieser Wille unterstelllt, sondern mir? Das mag mir mal jemand ganz in Ruhe erklaeren.“

      Ich habe diesen Punkt bewusst offen gelassen.
      Aber nehmen wir mal an, sie hat Dich bewusst sexistisch beleidigt.
      Wird dadurch Deine Antwort weniger sexistisch?
      In meinen Augen wiegt Sexismus Sexismus nicht auf. Und auch hier die Frage, ist es wichtig, wer angefangen hat, um mein eigenes Verhalten zu rechtfertigen?
      Im Zweifelsfalle wärt ihr beide sexistisch.

      „Die Reichweiten Argumentation ist imho ein verdammt schwaches Argument, schaut man sich an was in den ersten Tagen durch die selbsternannten Sittenwaechter auf mich eingeprasselt ist. Frau Dingens nutzt u.a. den Stern fuer ihr krudes Weltbild und wenn ich mir den aktuellen Reach des Magazins anschaue, dann schlaegt das Pendel ganz schwer in eine andere Richtung“

      So, wie Du das hier beschreibst, würde ich Dir vielleicht sogar recht geben. Ich hatte mich mit meinem Artikel auf Deinen Artikel bezogen und kann mich nicht daran erinnern, dass Du das dort dokumentiert hattest. Als ich diesen Artikel schrieb, hatte @FrDingens bereits ihre Accounts auf Twitter und Facebook gelöscht. Ich habe nur noch die Reaktionen von anderen gesehen, die in meine Sphäre gedrungen sind und die aus meiner Sicht mehrheitlich von Leuten waren, die gegen @FrDingens/FeministInnen eingestellt waren.

      Dabei haben mich weniger die Inhalte gestört, weil Menschen können nun mal unterschiedlicher Meinung sein und müssen dies auch ausfechten können, sondern die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird. Das Wie sagt in meinen Augen mehr aus über uns Menschen als das Was. Das sollte eigentlich in meinem Artikel zum Ausdruck kommen. Nicht die Darstellung eines Sexismus-Vorfalls.

  7. Uebrigens habe ich gesehen, dass du ebenfalls Helga Hansen retweeted hast: http://t.co/zUA01F7Y7O

    ein Artikel, der saemtliche meiner Aussagen verfaelscht, ja mir Saetze und Handlungen andichtet, die ich weder gesagt noch vollfuehrt habe. Somit duerfte relativ klar sein wie “differenziert” auch du mit dem Thema umgehst.

    Moment, Helga Hansen? War das nicht die die forderte dass Hetereosexuelle Paare sich aus Solidaritaet in der Oeffentlichkeit nicht mehr kuessen sollten?

    http://hanhaiwen.wordpress.com/2013/04/02/ueber-unsichtbare-handlungen/

    schon ne irre Welt wie hier fakten verdreht werden

    • Ja, ich habe den Artikel von Helga auf Twitter retweetet.

      „ein Artikel, der saemtliche meiner Aussagen verfaelscht, ja mir Saetze und Handlungen andichtet, die ich weder gesagt noch vollfuehrt habe. Somit duerfte relativ klar sein wie ‘differenziert’ auch du mit dem Thema umgehst.“

      Na ja. Dein Vorwurf klingt so, als ob Du mir eine eigene Meinung nicht zutrauen würdest.
      Was Du nicht gesehen hast, ist, dass ich auf Facebook unter meinem Artikel nicht Helgas Artikel verlinkt habe, sondern diesen hier:
      http://sjw-watch.tumblr.com/post/94150706183/funf-fakten-zum-fappygate

      Wie differenziert ich mich mit dem Thema umgehe, steht oben und nicht in Helgas Artikel. Wenn Du noch mal beide Artikel vergleichst, wirst Du feststellen, dass Helga und ich in einigen Punkten voneinander abweichen.
      Ich habe bewusst unter meinem Artikel keine weiteren Artikel verlinkt. Die meisten hängen sich am Sexismus-Vorwurf auf und vergessen dabei den anderen Aspekt.

      Ich wollte meinen Schwerpunkt eigentlich darauf hin lenken, wohin es führt, wenn wir in einem Streit Öl ins Feuer gießen. Das war völlig unnötig. Und das, was danach folgte, war erst recht in vielen Teilen, die ich gesehen habe, völlig überzogen. Deswegen habe ich ja auch geschrieben:
      „Auch das haben weder @FrDingens noch @sascha_p verdient.“

      „Moment, Helga Hansen? War das nicht die die forderte dass Hetereosexuelle Paare sich aus Solidaritaet in der Oeffentlichkeit nicht mehr kuessen sollten?“

      Und weil ich einmal einen Artikel von Helga retweetet habe, stimme ich nun mit allem überein, was sie sagt?

      Ich finde ihre Idee sympathisch, aber unrealistisch.
      Aber, wenn ich nur Schwarz-Weiß denken würde, müsste ich ja dann zu folgendem Schluss kommen: wenn Du gegen den Inhalt dieses Artikels bist, bist Du dann auch automatisch dafür, dass sich Homo-Paare in der Öffentlichkeit nicht küssen sollen und sonst dafür Prügel verdient hätten.
      Ich vermute mal, dass dem nicht so ist, oder?

      „schon ne irre Welt wie hier fakten verdreht werden“

      Na ja, was sind Fakten, wo fangen die Bewertungen und Urteile an?
      Insofern muss auch die Frage gestattet sein, wie sachlich Dein Artikel war. ;-)

  8. Danke für die sehr gute Analyse! Habe nur in einem Punkt Probleme: Aus meiner Sicht ist die soziologische Definition von Sexismus zwar nachvollziehbar. Da ich zwischen den hier handelnden Personen aber keinerlei Machtgefälle erkennen kann, halte ich sie in diesem Einzelfall auch nicht anwendbar. Für mich ist der Vorwurf, man(n) würde nur diskutieren/foppen, um sich dadurch sexuell zu befriedigen/aufzugeilen, eine eindeutig sexistische Diskriminierung. Zumal die Diskussion bis dato keinerlei sexuellen Elemente enthielt.

  9. Zunächst entschuldige man meinen Nickname, bei gewissen Diskussionen und beteiligten Personen möchte man nicht in die Schusslinie geraten. Danke fürs Verständnis.

    Getrollt haben hier wohl beide, wie erwähnt wäre es unter Männern ein flappsiger Dialog gewesen. Aber hier wurde direkt schon provoziert, FrDingens wollte ihn doch direkt als bösen Mann hinstellen und hat es geschafft ihm eine Äußerung zu entlocken, um ihn hinterher als den Sexisten da stehen zu lassen. Mit Erfolg.

    Aber ist es Sexismus? Der eigentliche Inhalt nicht. Er hat (vermutlich nicht ernst gemeint) das von ihr aufgebrachte bestätigt, damit den Ball nur zurück gespielt, es war eine etwas längere Variante von einem “ja”. Der Inhalt stammt von ihr.
    Aber auch der Inhalt ist kein Sexismus gemäß der oben gebrachten Definition, denn in diesem Falle wäre das “fappieren” auf sie durchaus als Kompliment zu werten, wer wird nicht gerne als so attraktiv angesehen ein “Männertraum” zu sein?
    Der subtile Sexismus liegt im Unterton “damit du das auch einmal erlebt hast”. Hier wird nämlich unterstellt, ohne diese Herausforderung würde sicher kein Mann auf die gute Frau “fappieren”.

    Am Ende ist das Problem solche Feminismus/Sexismus Debatten eigentlich IMMER, dass beide Seiten den Humor verlieren. Und die Maßstäbe. Eine humorvolle Äußerung wo irgendetwas mit Geschlecht drin vorkommt ist Sexismus oder Diskriminierung und stellt den kompletten Charakter der Person da, nicht etwa eine Einzeläußerung. Und der weitere Punkt ist, Kritik an Personen wird von diesen als Kritik an Personengruppen umdefiniert. Wenn ich jetzt schreiben würde “FrDingens ist wegen dieser Aktion ein ziemlich großes A…”, dann würde sie vermutlich reagieren mit “unwichtig ist ein Sexist”. Damit prallt die Beleidigung an ihr ab, denn sie definiert ja ich hätte Frauen diskriminiert, statt sie ganz persönlich. Und durch diese Ausweitung kann sie natürlich mich als Feind einer größeren Gruppe darstellen, welche dann gebündelt zurückschlägt.
    Hier ist auch wieder das Problem, denn diese Filterblasen (da gibt es einige verschiedene, durchaus mit Überschneidungen) üben Selbstjustiz aus. Teilweise sogar im Sinne von bestraftungen (z.B. Missbrauch der Antispamfunktion durch kollektives Spamblocken), aber vor allem im Sinne von Urteilen. Eine Person definiert “X ist ein Sexist”, alle in der Peergroup bestätigen es, häufig ungeprüft. Eine Stellungnahme von “X” ist nicht möglich oder erwünscht, ihm wird unterstellt jede Rechtfertigung wäre ja nur ein Ausflucht, neutrale Personen werden gar nicht erst befragt, das Urteil steht vorher schon fest.

    All dies ist, was eine Diskussion über solche Themen massiv erschwert. Der Grund, warum eine Diskussion die ich im Usenet gerne unter Realnamen bis zum Ende ausdiskutiert hätte hier einen Nicknamen erfordert, welcher mich aus der Schusslinie außerhalb dieses Blogposts heraushält. Das ist schade. Eine offene Diskussionskultur, in der äußere Merkmale wie Geschlecht keine Rolle spielen, war immer der große Vorteil des Internets.

    • „Danke fürs Verständnis.“

      Ich kann die Gründe nachvollziehen. Aber ich bin damit eigentlich nicht einverstanden, weil auch ich mir überlegen muss, ob ich etwas schreibe oder nicht, weil ich hier immer mit Klarnamen unterwegs bin. Damit setze ich mich natürlich auch immer der Gefahr aus, in die „Schusslinie“ zu geraten.
      Aber es diszipliniert mich zumindest, selbst nicht beleidigend zu werden und mich bei solchen „ernsten“ Themen um Sachlichkeit zu bemühen. Selbst wenn ich nur meine Meinung kund tun will.

      Ich schalte diesen Kommentar nur frei, weil er in einem sachlichen Ton geschrieben ist. Wäre dies nicht der Fall, hätte ich den Kommentar nicht freigeschaltet.

      „Aber auch der Inhalt ist kein Sexismus gemäß der oben gebrachten Definition, denn in diesem Falle wäre das ‚fappieren‘ auf sie durchaus als Kompliment zu werten, wer wird nicht gerne als so attraktiv angesehen ein ‚Männertraum‘ zu sein?“

      Falsch. Ganz falsch. Weil hier unterstellt wird, dass alle Frauen („wer nicht?“) gerne so attraktiv sein wollen, um als Männertraum gesehen zu werden. Denken tatsächlich alle Frauen so? Einfach mal im eigenen Umfeld die Frauen (Mütter, Frauen, Freundinnen, Töchter, etc.) fragen, ob sie gerne als so attraktiv angesehen werden wollen, dass Männer in ihnen einen „Männertraum“ sehen und dabei die Lust zum Masturbieren verspüren.

      „Und der weitere Punkt ist, Kritik an Personen wird von diesen als Kritik an Personengruppen umdefiniert.“

      Ja, Verallgemeinerungen sind in den meisten Fällen nicht hilfreich und kontraproduktiv. Daher habe ich auch versucht, immer konkret bei @sascha_p und @FrDingens zu bleiben.
      Und das wäre dann auch die Konsequenz daraus: bei der konkreten Sache bleiben. Aber auch, Spekulationen zu vermeiden. Stattdessen lieber Fragen in den Raum stellen. Und bei Antworten vielleicht mal Feedback geben, wie man etwas verstanden hat. Oder fragen: hab ich dich jetzt richtig verstanden, dass…? anstatt der Überzeugung zu sein, man wisse natürlich, was der oder die Andere gemeint hat.

      „Eine offene Diskussionskultur, in der äußere Merkmale wie Geschlecht keine Rolle spielen, war immer der große Vorteil des Internets.“

      Und warum haben wir diese Diskussionskultur nicht mehr?
      1. Weil sich Menschen hinter einem Pseudonym oder in der Anonymität verstecken. Sie haben nicht mehr den Mut, mit ihrem eigenen Namen für ihre eigene Meinung einzustehen. Und überlassen damit den anderen das Feld. Nicht gut.
      2. Weil wir, anstatt respektvoll miteinander umzugehen, jegliche Etikette vermissen lassen, die uns unsere Eltern hoffentlich einmal vermittelt haben.
      3. Weil wir manchmal offenbar nicht merken, dass wir Öl ins Feuer gießen, anstatt konstruktiv an einer Lösung zu arbeiten.

      Ich meine, wie können wir die Welt verändern?
      Wenn jeder Mensch auf Erden bei sich selbst anfangen würde, wäre die Welt bereits gerettet. Wir müssten eigentlich nicht mal auf andere Menschen achten!

      Und so sehe ich das auch im Internet. Wenn nur jeder darauf achtet, dass er oder sie selbst respektvoll mit anderen umgeht, hätten wir keine Probleme miteinander.

      • Wie erwähnt, es tut nicht gut sich in die “Schusslinie” eines Mobs zu bringen, welcher selber urteilt was korrekt ist und was nicht und dann Selbstjustiz und wenn man Pech hat sogar eine gewisse “Lynchjustiz” betreibt, wobei das Wort mehr impliziert als online möglich ist, und meistens bleibt es bei Flames online, manchmal führt es aber z.B. auch zu Anschwärzungen bei Arbeitgeber oder ähnlichem, wobei dieser natürlich zunächst nicht beide Seiten kennt.

        Ich halte persönlich Anonymität (gar keine Namen) und Pseudonyme für sehr wichtig und stehe real dafür ein (z.b. auf Demonstrationen) online anonym bleiben zu dürfen.

        > Ich schalte diesen Kommentar nur frei, weil er in einem sachlichen Ton geschrieben ist
        Wieso auch sonst? Ich halte zwar allgemein nichts davon vormoderation zu üben, aber was soll der Grund sein, diesen Kommentar nicht freizuschalten? Wenn man moderiert, dann normalerweise gegen Spam oder Flames, dies habe ich explizit beides vermieden, sondern mich der Sache gewidmet, nämlich am Ende dass es schön wäre wenn alle etwas nett zueinander wären.

        > Falsch. Ganz falsch.
        Ich bin etwas enttäuscht hier, weil die Antwort auf eine Meinungsäußerung hier selber als Fakt statt als eigene Meinungsäußerung herüber kommt. Ich interpretiere es jetzt einfach einmal als deine Meinung, denn eine absolute Wahrheit lässt sich nicht definieren.
        Am Ende ist hier das Argument einfach egal, ob die Frau davon träumt ein solcher “Männertraum” zu sein, der Mann der es ernsthaft so meint (das tut Herr P. eher nicht), der findet sie attraktiv und findet dabei vermutlich nichts schlechtes, also ist es von seiner Seite ein Kompliment. Wie man Kommunikationstheoretisch ja weiß, wird nicht alles gleich gehört wie es gesagt wird, also kann es natürlich sein, dass eine solche Äußerung nicht gerne gehört wird. Außerdem ging es hier ja explizit darum es verächtlich zu machen. Frau D. hat ihm unterstellt sich darauf “aufzugeilen” sie zu dissen, Herr P. hat im Prinzip erwidert “Na wenn du meinst” und sie damit einfach nicht ernst genommen. Kein Wunder, dass sie verärgert ist, auf der anderen Seite ist etwas mit Humor nehmen oft ein guter Ausweg auf eine Beleidigung zu reagieren ohne weiter zu eskalieren.

        Zur konkreten Sache gibt es eigentlich nur zu sagen, dass es ein kleiner Zickenkrieg (das ist frei von Geschlecht gemeint) zwischen den beiden ist, welcher harmlos geblieben wäre (beide beleidigt, Ende vom Lied), wenn nicht wie beim Fußball die Hooligans dann die Schaulustigen es zum Anlass genommen hätten um sich gegenseitig zu bekriegen ohne die Sache selber zu würdigen. Am Ende geht es zwischen Feministen und Leuten die von Feministen genervt sind hin und her, wieviele davon haben alle Fakten überhaupt im Kopf?!

        > Und warum haben wir diese Diskussionskultur nicht mehr?
        1) Nein. Pseudonyme verhindern Vorurteile. Bei vielen Pseudonymen, äh ich meine natürlich Leuten, habe ich das Geschlecht erst nach längerer Zeit erfahren, weil es nicht relevant war. Bei noch mehr weiß ich bis heute nicht, welche Hautfarbe sie haben, weil das im Gegensatz zum Geschlecht noch seltener erwähnt wird, weil es noch weniger relevant ist. Mag ja sein, mancher verschweigts damit es nicht Thema wird, aber in vielen Fällen erzählt man das, was für Diskussionen relevant ist, und da gehört das einfach nicht dazu. Ich denke gerade zum Beispiel an verschiedene große technisch orientierte IRC-Kanäle, falls das hilft über ein anschauliches Beispiel zu reden.
        2) Das ist oft ein Problem. Früher wurde so etwas durch stilles Ignorieren gelöst und um beim Beispiel IRC zu bleiben sind öffentliche “Ich ignoriere jetzt” Nachrichten verpöhnt. In Medien wie Facebook wird hingegen oft auch mit den technisch anders gegebenen Mitteln mit dem Finger gezeigt, an den Pranger gestellt und zu verschiedenen Racheaktionen aufgerufen, bis Leute Profile sperren oder Löschen. Es ist nicht mehr dezent, es ist Aufmerksamkeitsgeil.
        3) Genau. Und gerade auf Twitter geht es hoch her. Man sollte meinen im Chat auch, aber vielleicht ist Twitter auch die Mischung zwischen “nicht Echtzeit” und “schnelles Medium”, welche es verhindert dass man direkt aufeinander eingeht und die Stimmung mitbekommt, aber einen schnellen Mob ermöglicht.

        > Wenn nur jeder darauf achtet, dass er oder sie selbst respektvoll mit anderen umgeht, hätten wir keine Probleme miteinander.
        Unterschrieben.

    • Ach ja, zum Thema „Selbstjustiz“: Die Formulierung: „…wer [@FrDingens] so auf die Kacke haut, der darf auch gerne mal ein wenig gefoppt werden, oder?“ klingt bereits so wie, als solle da jemand bestraft werden.
      So gesehen fängt die „Selbstjustiz“ bereits damit an, dass wir andere beurteilen und entsprechend reagieren. Damit das nicht in Selbstjustiz ausartet und wir „im Eifer des Gefechts“ nicht einem Mob hinterrennen, sollte sich doch jede_r fragen, welche Rolle er oder sie in dem Ganzen spielen will – und dann seinen/ihren Beitrag entsprechend formulieren. So dass es nicht nach Selbstjustiz klingt.

      • noch einmal final, auch wenn ich langsam sowas von angeoedet bin. die korrekte chronologie kann man in meinem Artikel nachlesen. Ich habe Screenshots erstellt und habe all dies mit einem auflockernden Scherz gestartet.
        Anstatt sich mit der wohl-dokumentierten Abfolge auseinanderzusetzen retweetest du lieber den Artikel von Helga, die nicht nur die Chronologie, sondern sich auch die Statements komplett zurechtlegt.

        Ebenso faellt leider deine Analyse aus… Sehr schade, insbesondere wenn man sich hier einen vermeintlich investigativen Anstrich geben moechte

      • “Anstatt sich mit der wohl-dokumentierten Abfolge auseinanderzusetzen…”

        Das klingt beinahe so, als ob mein obiger Artikel gar nicht existieren würde…?!

        “…retweetest du lieber den Artikel von Helga, die nicht nur die Chronologie, sondern sich auch die Statements komplett zurechtlegt.”

        Jeder kann selbst nachlesen, was Du geschrieben hast, und was ich dazu geschrieben habe und was Helga schreibt. Ich traue den Leser_innen zu, sich eine eigene Meinung zu bilden, denn ich glaube schon, dass sich unsere Artikel inhaltlich deutlich unterscheiden. Insofern weiß ich jetzt nicht, was daran schlimm sein soll, Helgas Artikel auf Twitter zu retweeten.

        “Ebenso faellt leider deine Analyse aus… Sehr schade, insbesondere wenn man sich hier einen vermeintlich investigativen Anstrich geben moechte”

        Mit “investigativen Anstrich” überhöhst Du jetzt meinen Artikel. Ich habe ja eingangs geschrieben, dass ich nicht mehr in der Lage bin, den genauen Hergang zu rekonstruieren. Und ich mich deswegen auf Deine Dokumentation beziehe, die ich als recht gut beschreibe.
        Allein bei der Interpretation des Geschehenen weichen wir gravierend voneinander ab. Und wie auch geschrieben, das hier ist nur mein Kommentar zum Ganzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wäre ich ein Journalist, der Artikel hier hätte wohl etwas anders ausfallen müssen.

        Und lass mich Dich auch mal loben:
        Als ich meinen Artikel schrieb, wollte ich einen Tweet mit einbauen und sah, dass dabei @FrDingens’ Avatar zu sehen war. Ich wunderte mich, weil ich mich daran erinnerte, dass ich ihren Avatar in Deinem Artikel nicht gesehen hatte, sondern nur eine weiße Stelle. Was mich vermuten lies, dass @FrDingens Dich gebeten hatte, ihren Avatar zu entfernen, und Du ihren Wunsch respektiert hast. Entsprechend habe ich dann auch gehandelt und bin Deinem Vorbild gefolgt. Und heute hat dann @FrDingens auf ihrer Internetseite tatsächlich diesen Vorgang bestätigt (als Journalist müsste ich jetzt wohl erst einmal Deine Bestätigung des Verlaufs abwarten, oder?) und auch andere gebeten, wenn sie was darüber schreiben wollen, ihren Avatar doch bitte zu entfernen.
        Für einige mag so ein Verhalten selbstverständlich sein (die Wünsche des “Gegners” zu respektieren). Aber nachdem ich Dir vorgeworfen habe, von Anfang an respektlos zu sein, und vor dem Hintergrund des “Diskussionsverlaufs”, finde ich Dein Verhalten an dieser Stelle erwähnenswert. Und wenn ich sehe, dass Du auch respektvoll sein kannst, frage ich mich umso mehr, warum musste es so eskalieren?

  10. Gerade nach den Erfahrung der #aufschrei-Aktion auf Twitter finde ich das Verhalten einiger der ProtagonistInnen dieser Aktion um so fragwürdiger.
    Nachdem sich ein Streit über die Autorenschaft im Themenbereich Jugendkultur und Soziale Medien hochgeschaukelt hat, endet er “kommentatorisch im Lendenbereich”.
    In dieser Situation folgt leider ein Hinweis von Frau Dinges an ihre Follower (der Tweet mit dem “Techblogger >20k Follower”), was meiner Meinung nach ein wesentlicher Schritt zur Eskalation war, da basierend auf den Erfahrungen der Vergangenheit das dann folgende eigentlich absehbar war.
    Nun gut, sie war halt auch in dem Streitgespräch direkt involviert, und beide waren durchaus emotional dabei.

    Zitat “Hilf’, ‚flame wars‘ unter Kontrolle zu halten”
    Warum ergreifen nicht Leute, mit einer gewissen Prominenz in dem Sexismus/Aufschrei-Thema die Gelegenheit, das ganze zu beruhigen? Einfach mal das Gesprächsangebot von Sascha P. aufgreifen, ggf. vermitteln, das ganze in ruhigere Fahrwasser zu führen, nicht eskalieren.
    Doch was passiert? Hinweis auf den sexistischen Techblogger an die Follower schicken. Forderung raus, dass er zukünftig nicht mehr auf der re:publica sprechen soll.
    Wer nicht furchtbar naiv und dazu noch neu auf Twitter ist, für den ist das doch wohl der klare Aufruf an die Trolle in eigener Sache “Los, mehr Öl ins Feuer!”

    Aber auf Twitter diskutiert man halt nicht, man führt Wortkriege um der Wortkriege Willen, vielleicht glauben Leute wirklich, da etwas gewinnen zu können. Mir scheint es eher, dass das für manche halt ihr Hobby ist. Manche nähren sich halt von ihren Feindbildern, Frieden ist da ja gar nicht zweckmässig.

    • Ich bekomme häufig den Eindruck, es geht nicht darum Meinungen auszutauschen, sondern zu “gewinnen”. Egal ob das durchschlagende Argument am Ende noch der eigenen Meinung entspricht.

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  14. Gut geschrieben.
    Die Frage, warum man nicht mehr versucht einen Flamewar zu beenden, kann ich sehr einfach beantworten. Ich habe früher immer wieder versucht mich irgendwie dazwischen zu stellen und einen Streit zu schlichten. Das Problem ist nur, dass der Flamewar dadurch nicht beendet wird, sondern größer. Und nun bin ich auch Teil davon. Wenn jemand weiteres eintritt um mir zu helfen diesen Flamewar dann zu lösen, ist er auch auf einmal Teil davon. Oft kommt es dann so, dass die beiden Initiatoren sich schon längst vertragen haben, aber ein darauf entstandener Ableger noch immer existiert und wütet.

    Habe ich schon mehrfach erlebt und mittlerweile überlege ich mir mehr als zwei mal, ob ich mich einmische und versuche das zu schlichten, oder ob ich mich zurück halte.

    In diesem konkreten Fall, hätte ich sogar sicher sagen können, dass es mich mit trifft, da ich Herrn Pallenberg persönlich kenne und selbst bereits auf seinem Blog verewigt wurde, weil ich mich damals dazu äußerte, dass in letzter Zeit vermehrt Sensationsmeldungen gepostet werden, um Klicks zu erzielen. Das dauerte mehrere Monate, bis sich das legte.
    FrDingens kannte ich bis zu diesem Tag nicht, so gab es für mich keinen Grund, das Risiko, erneut von seiner Gefolgschaft verfolgt zu werden, einzugehen.

    Allgemein passe ich bei Menschen auf, die viele Follower haben, da diese dazu neigen, sich selbst zu überschätzen. Und wie man an einer Person sehen konnte, welche ich hier nicht namentlich nennen werde, schieben sich einige gerne auf die Seite der Personen, die mehr Follower haben. So hat eine Frau, welche sich oft für Feministinnen einsetzt, sich dieses Mal auf die Seite von Herrn Pallenberg gesetzt. Klar, er hatte das fünfache der Follower und davon konnte sie profitieren. Normales Verhalten von schwachen Individuen, welche versuchen durch ihren Nachbarn stärker zu wirken.

    Die Netiquette existiert leider schon lange nur noch im Gedächtnis der alten Hasen. Allerding dort auch nicht unbedingt, um sie zu befolgen.

  15. Ich glaube, dieser Artikel verkennt erstens fundamental die Unterschiede zwischen dem modernen Web 2.0 (insbesondere: Twitter) und dem Internet 1994 und beachtet zweitens die Funktionsweise von modernen sozialen Netzwerken nicht ausreichend.

    Zum ersten Punkt: Natürlich wirkten 1994 viele Nutzer beruhigend und deeskalierend auf Streitparteien ein. Allerdings war das damals auch wesentlich wichtiger als heute: Es gab Newsgroups und Mailinglisten, in denen jeder Beteiligte jeden Flamewar zwingend mitbekommen musste. Eine Ausblendung des Flamewars war kaum möglich. Das hat natürlich die Funktion von Mailinglisten und Newsgroups konterkariert. Die Fokussierung auf den Zweck der entsprechenden Gruppen und Listen ging verloren, Nutzer waren genervt, weil sie mit Auseinandersetzungen konfrontiert wurden, die sie einerseits nicht miterleben wollten, andererseits aber auch nicht ignorieren konnten, wenn sie weiter die relevanten Informationen in den Newsgroups und Mailinglisten mitbekommen wollten. Und jede Einmischung in den Konflikt mit dem Ziel, Öl ins Feuer zu gießen, führte zu einer weiteren “Kaperung” der Mailinglisten und Newsgroups, zu weiteren nervigen Mails, die nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hatten.

    Im “modernen” Internet ist es aber anders: Ich muss nicht jede Auseinandersetzung mitverfolgen. Bei Twitter bekomme ich nicht bei jeder Auseinandersetzung Pushmails. Ich bin auch nicht gezwungen, Accounts zu folgen. Kurz: Ich kann den Streit ausblenden. Das hat gravierende Folgen: Leute, die der Streit nicht interessiert, sind nicht gezwungen zu intervenieren. Entweder sie folgen den beteiligten Accounts ohnehin nicht oder sie entfolgen den Accounts. In jedem Fall können sie schlecht von den Beteiligten fordern, dass diese die Auseinandersetzung beenden, weil man sich persönlich durch den Streit gestört fühlt. Daraus folgt gleichzeitig, dass sich (nur) die Leute an der Diskussion beteiligen, die die Diskussion interessiert und die ggf. klare Positionen in dem Streit vertreten, also Partei ergriffen haben.

    Die Unterschiede zwischen Internetdiskussionen im Jahr 1994 und im Jahr 2014 ergeben sich also meiner Ansicht nach weniger aus dem Bewusstsein, dass an allen Enden Menschen sitzen und daraus, dass die Nutzer 1994 generell sozialer waren; sondern aus den technischen Gegebenheiten des Mediums Internet.

    Zum zweiten Punkt: Twitter ist ein soziales Medium, dessen Sinn grade darin liegt, Menschen untereinander zu vernetzen und Gespräche untereinander zu ermöglichen. Zudem ist es als öffentliche Platform konzipiert. Das bedeutet: Wenn ich über Twitter Anschuldigungen gegen eine Person erhebe, sind diese Anschuldigungen nicht privat. Sie sind öffentlicher Natur, was bedeutet, dass “die Öffentlichkeit” (im Sinne von: Menschen, die vorher nicht an der Auseinandersetzung beteiligt waren, die sich aber dazu äußern wollen) sich auch zu diesen Anschuldigungen äußern kann. Das wiederum ist ähnlich wie bei Newsgroups und Mailinglisten 1994: Wenn ich möchte, dass eine Anschuldigung oder eine Konversation privat bleibt, schreibe ich eine Mail/PM/kontaktiere die betroffene Person direkt. Sonst mache ich es öffentlich mit der Folge, dass Dritte sich an der Diskussion beteiligen können. Und mir (ggf. auf sarkastische Weise) erzählen, dass meine Anschuldigungen aus der Luft gegriffen sind.

    Unter Beachtung dieser beiden Punkte ordne ich den Streit und dessen Verlauf anders ein als der Blogartikel. @sascha_p hat sich nicht unredlicherweise in einen privaten Streit eingemischt, sondern er hat gegen öffentlich erhobene Vorwürfe (die – unter Zugrundelegung seiner Darstellung – wirklich etwas weit hergeholt zu sein scheinen) auf sarkastische Weise Stellung bezogen. Dass @FrDingens diese Stellungnahme nicht bequem fand oder sie womöglich als Versuch sah, sie zu diskreditieren, mag sein. Nur hat sie – ebensowenig wie jeder andere – kein Recht darauf, von Kritik verschont zu bleiben. Natürlich kann sie diese Kritik ihrerseits kritisieren, was sie mit ihrem „fappen“-Tweet getan hat. Bis dahin gab es auch kein großes Problem. Es war eine (wenig reife) halböffentliche Auseinandersetzung, die die wenigsten Personen interessiert hat.

    Dann hat @sascha_p den Fehler gemacht, auf diesen fapping-Tweet denkbar schlecht zu reagieren: Wenn er sich darauf beschränkt hätte zu schreiben, er würde sich tatsächlich einen runterholen, hätte es womöglich kein Problem gegeben. Er hat aber die fatalen Worte „damit @FrDingens das auch mal erlebt“ angehängt. Ob diese Worte automatisch Sexismus darstellen oder ob es sich dabei nur um einen weiterhin unsachlich geführten Schlagabtausch handelte, bei dem das Geschlecht im Prinzip keine Rolle spielte und der beleidigende Charakter im Vordergrund stand (etwa aufgrund von misslungenem Sarkasmus), kann man kontrovers diskutieren. Fakt ist: Auch bis dahin gab es (noch) kein Problem. Auch bis dahin hat die Auseinandersetzung niemanden mobilisiert, weil sie kaum jemanden interessiert hat.

    Der Wendepunkt kam erst, als @FrDingens mit ihrem Sexismusvorwurf ihre Follower mobilisiert und den Tweet von @sascha_p dazu ohne Kontext verlinkt hat. Dementsprechend fand die Kommunikation zuvor mehr oder weniger „auf Augenhöhe“ statt, schlichtweg weil die Followerzahl keine Rolle spielte und die Follower nicht in den Streit involviert war. @FrDingens hat also versucht, in dem Streit die Öffentlichkeit zu mobilisieren, was offenbar auch ziemlich gut funktioniert hat: Plötzlich haben sich Dritte zu dem Vorfall geäußert, sind beleidigend geworden und das vermutlich ohne die genauen Zusammenhänge zu kennen.

    Wer @sascha_p also den Vorwurf macht, er hätte seine „Macht“ missbraucht, indem er seine Follower mobilisiert hat, verkennt meiner Ansicht nach, dass @FrDingens es war, die den Fall zum Ende hin unbedingt in die Öffentlichkeit tragen wollte. Und wer @sascha_p Sexismus vorwirft sollte vorher zumindest sehr genau überlegen, ob der Beitrag im Kontext nicht auch anders (nämlich als fortgesetzte, unsachliche Diskussion) gesehen werden kann.

  16. Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Eine Frau, die einem Mann unterstellt, er würde sich bei seinen Äußerungen einen ‘fappen’, finde ich ziemlich übergriffig, wenn nicht gar sexistisch.

  17. Das ist m.E. eine gelunge und aufgeregte Nachschau dieses seltsamen #gates.