Piraten und das Urheberrecht

"Wir nehmen", verteidigen sie sich, "doch niemandem etwas weg. Wir fertigen lediglich ohne Beschädigung des Originals eine Kopie."

Gratishumus der Zivilisation
Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 07.09.2009

Hm… ob Piraten und Co. damit einverstanden sind, wenn ich in einem Buchgeschäft ein Buch nehme, es auf den Kopierer lege und vorsichtig kopiere, das Buch dann wieder zurückstelle und die Kopie mitnehme mit den Worten:

"Ich nehme doch niemanden etwas weg. Ich fertige lediglich ohne Beschädigung des Originals eine Kopie an. Das Buch bleibt ja im Geschäft."

Okay, die Kopien würde ich natürlich zahlen, handelt es sich doch immerhin um Papier, das ich da mitnehme.

Mein Verständnis für die Haltung der Piratenpartei zum Urheberrecht (so sie richtig zitiert wird) ist nur gering. Es gibt Situationen im Studium, da geht man in eine Bibliothek, leiht sich Bücher aus und kopiert sie. Das ist für mich okay, da gerade Fachbücher häufig keine hohen Auflagen erfahren (also rar sind), für Studenten sehr teuer und in der Regel nicht die Haupteinnahmequelle der Autoren sind. Im Gegensatz zur Belletristik.

(Nicht nur) Literatur und Musik stellen für mich Werte dar, die es zu schätzen und zu schützen gilt. Einfach kopieren, nur weil es technisch keinen Aufwand mehr darstellt, reduziert den künstlerischen Wert auf das Blatt Papier oder den Chip, auf dem die Kunst gespeichert ist. Die Wertschätzung gegenüber dem Künstler und seinem Werk geht verloren. Mehr noch: Allein das nackte Ergebnis wird geschätzt, aber der Mensch dahinter nicht mehr. Nein, in einer solchen Welt will ich nicht leben. Vielleicht ist das aber auch nur die Folge einer entmenschlichten Arbeitswelt, die nun auch in das allgemeine öffentliche Leben infiltriert. Das Internet ist dabei nur ein Katalysator.

Nein, so sind die Piraten für mich nicht wählbar. Gibt es unter den Piraten eigentlich keine Musiker und Autoren, die von ihrer Kunst leben (müssen)?

Veröffentlicht von Gedankenreiter

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3 Kommentare

  1. Sicherlich gibt es Piraten, die Software verfassen und ihr Coden gerne vergütet sehen möchten. Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass alle Piraten sämtliche ihrer Projekte unter Open Source stellen, wie auch niemand ernsthaft erwarten kann, dass ich ein von mir verfasstes Buch jedermann – inhaltlich – kostenlos zur Verfügung stelle.

    Die Piraten haben meines Erachtens noch einen langen Weg vor sich, selbst in ihrem ureigenen Themenkomplex tauchen Dinge auf, die mir unschlüssig scheinen:

    “Auch ihr Besitz ist binär: man hat eine Software, oder nicht. Jegliche Zwischenzustände und teilweise eingeschränkten Nutzungsformen (z.B. ein einmaliges Nutzen a la Kinovorführung) lassen sich technisch nicht ohne totale Entmündigung des Computerbesitzer durchsetzen.”
    aus http://wiki.piratenpartei.de/Auswirkung_auf_die_IT-Branche

    Das erfasst beispielsweise Bereiche wie SaaS gar nicht.

    Die Piraten stoßen Diskussionen an, das ist gut. Lösungen präsentieren oder gar Probleme lösen sehe ich nicht als ihre Kompetenz an. Nicht im Jahr 2009.

  2. An Software und SaaS (Software as a Service) habe ich noch gar nicht gedacht. Aber ein sehr gutes Argument. Danke!

    Die Piratenpartei erinnert mich an “Sarah Palin”: Weckt am Anfang große Begeisterung, entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen immer mehr als Luftblase.

    Mal sehen, wie und ob sie sich noch entwickeln wird. ^^

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